Geeignete Schuhwahl zum Bergwandern

Die Schuhwahl beim Bergwandern ist maßgebend für den Erfolg, Genuß & die Freude einer Wanderung in den Bergen. Nicht nur, dass der Schuh passen, nicht reiben, scheueren und Blasen verursachen soll, essentiell ist der Halt der Sohle auf dem Untergrund und des Fußes im Schuh.

Geeignete Schuhwahl zum Bergwandern

Touren im Gebirge erfordern besonderes Material und robuste Bauweise, da erhöhte Ansprüche an Langlebigkeit und Stabilität gestellt werden. Der Schutz des Bänderapparats kann nur durch entsprechend festen Halt (knöchelhoch) gewährleistet werden. Welche Arten von Schuhen es für den Einsatz in den Bergen gibt und welche sich zum Bergwandern eignen, dazu möchten wir euch ein paar Tipps und Hilfestellungen geben.

Klassifikationen von Schuhen im Bergsport

Bereits 1976 teilte Alfons Meindl, Sohn des Firmengründers Lukas Meindl, Schuhe in die Anwendungsbereiche A bis D ein. Zweck war es, den Verbrauchern eine Entscheidungshilfe bei der Auswahl der richtigen Schuhe mit an die Hand zu geben. Über die Jahre hinweg wurden weitere Zwischenkategorien eingefügt und das System wurde von vielen Herstellern übernommen, auch wenn es keine Norm für Outdoor-, Wander- & Bergschuhe gibt.

Klasse A

Einsatzbereich & Gelände – Geeignet für Freizeitaktivitäten, im Alltag, auf Reisen und zum Walking.

Konstruktion – Nicht zwangsweise knöchelhoch. Die Sohle ist nicht komplett steif.

Geeignet für – Freizeit, Alltag, Reisen & Walking

Bergschuh Klasse A

Hanwag NAJERA MID GTX®

Klasse A/B

Einsatzbereich & Gelände – Leichte Wanderungen im Flachland, Mittelgebirge oder in den Voralpen. Gute & weniger gute Wege, Hüttenwege.

Konstruktion – Generell etwas fester, mit höherem Schaft.

Geeignet für – Wanderungen im Flachland, Mittelgebirge & Voralpen.

Bergschuh Klasse A/B

Hanwag Comox GTX®

Klasse B

Einsatzbereich & Gelände – Anspruchsvolle Wanderungen im Mittelgebirge, leichte Trekking-Touren abseits befestigter Wege & Steige, auch auf schlechten Wegen & Steigen.

Konstruktion – stabiler Schaft, feste & torsionssteife Sohle, unter Umständen mit Geröll-Schutzband, tauglich für Grödeln

Geeignet für – Bergwanderungen auf leichten Bergwegen.

Bergschuh Klasse B

Hanwag Nazcat

Klasse B/C

Einsatzbereich & Gelände – Anspruchsvolle Wanderungen im Mittelgebirge auch auf schlechten Pfaden. Touren im Hochgebirge, ggf. Firnfelder, Geröll & Klettersteige.

Konstruktion – steiferer Schaft, steifere Sohle, bedingt Steigeisenfest (Körbchen)

Geeignet für – Bergwanderungen auf mittelschweren Bergwegen. Touren im Hochgebirge, Klettersteige.

Bergschuh Klasse B/C

Hanwag Ancash

Klasse C

Einsatzbereich & Gelände – Für Touren auf schlechtesten Wegen, weglos, Geröll, Klettersteige & Gletscher. Touren im Hochgebirge, Firnfelder, Geröll & Klettersteige, leichte Gletscher.

Konstruktion – harte, biegfeste Sohle, hoher & fester Schaft, bedingt steigeisenfest (Kipphebel)

Geeignet für – Bergwanderungen auf schweren & alpinen Bergwegen. Leichte bis mittelschwere Hochtouren, leichte Gletschertouren, Klettersteige.

Bergschuh Klasse C

Hanwag Badile Combi GTX®

Klasse D

Einsatzbereich & Gelände – Hochalpine Touren, selektive Gletscher, Eis- & Firntouren im weglosen, extremen Gelände & Eisklettern.

Konstruktion – absolut steife Sohle, harter Schaft, keine Durchbiegung bei Frontalzackeneinsatz, evtl. gefüttert, absolut steigeisenfest.

Geeignet für – Hochtouren, Eisklettern, Eiswände, Expeditionen

Bergschuh Klasse D

Hanwag Zentauri GTX®

Infografik geeignete Schuhwahl in den Bergen

Hanwag, ein Urgestein und fast Münchner Kindl, stellte bereits 1921 Schuhe für den Einsatzzweck beim Wandern, Trekken, Bergwandern & Bergsteigen her. Das Unternehmen aus Vierkirchen, vor den Toren von München, setzt auf „made in Europe“ und hat uns diese Infografik zu Verfügung gestellt. Sie zeigt für welche Aktivitäten Schuhe der jeweiligen Kategorie geeignet sind. Die Klasse C/D wird nur von sehr wenigen Hersteller vergeben.

Infografik Klassifikation Schuhe im Bergsport

Definitionen Wanderungen, Hochgebirge & Co

Wandern – Früher eine geläufige Form des Reisens, dient Wandern heutzutage der Freizeitbeschäftigung. Gehen über mehrere Stunden hinweg im Flachland, Mittelgebirge und den Voralpen wird als Wandern tituliert.

Trekking – Der Verzicht auf feste Unterkünfte und stattdessen ein Zelt im Gepäck, abseits von Zivilisation und markierten Wegen über mehrere Tage hinweg, sind Wesensmerkmale von Trekking.

Bergwandern – Vom Bergwandern ist die Rede wenn eine Wanderung im Gebirge / Hochgebirge bewältigt wird. Alpine Gefahren wie plötzlicher Wetterumschwung und Schnee bis in den Sommer hinein sind Herausforderungen die bei Wanderungen im Flachland und Mittelgebirge nicht vorkommen.

Bergsteigen – Wenn beim Bergwandern die Hände zum leichten klettern gebraucht werden, spricht man von Bergsteigen. Anhaltende Kletterstellen im I. bis II. Grad werden in der Regel nicht gesichert und ohne weitere Hilfsmittel begangen.

Mittelgebirge – Wird in einer Gebirgsregion die Höhe von 1602 Metern nicht überschritten, so handelt es sich um eine Mittelgebirge.

Hochgebirge – In Mitteleuropa ist die Rede von Touren im Hochgebirge die oberhalb der Waldgrenze liegen. In etwa ist der Übergang zwischen 1500 bis 2000 Metern. Spätestens ab einer Höhe von 2000 Metern ragen die Felsformationen offen zu Tage und es wird von Touren im Hochgebirge gesprochen.

Geeignete Schuhwahl zum Bergwandern

Das größte zusammengehörige Hochgebirge Europas sind die Alpen, wo du und ich zu 99% unterwegs sein werden. Das heißt Touren die wir hier machen können sind Bergwanderungen. Geeignete Schuhe zum Bergwandern richten sich nach deinem Anspruch und der Schwierigkeit deiner Touren. Nicht nur heute, sondern auch welche Touren du in den nächsten 3 bis 5 Jahren machen möchtest.

Die Bergschuhe der namhaften Hersteller sind in der Regel aller sehr gut verarbeitet und lassen sich mehrmals neu besohlen. Es kann also gut möglich sein, dass du deinen nächsten Bergschuh die nächsten 10 bis 15 Jahren tragen kannst. Bei guter Pflege ist hin und wieder ein Wechsel der Sohle nötig. Dies kostet ca. 50 bis 100,- €, je nach dem wie hochwertig dein Bergschuh gemäß der Klassifikation ist.

Dein Bergschuh sollte mindestens der Klassifikation B entsprechen. Damit kannst du bereits sicher einfache Bergwege begehen, hast einen stabilen Halt, eine torsionssteife Sohle, die auch einen Gröllschutz hat und für die Verwendung von Grödeln geeignet ist. Grödeln kannst du zum Begehen von Altschneefeldern und Touren im Frühjahr & Herbst nutzen, wenn noch mit Schneeresten auf deiner Route zu rechnen ist.

Geeignete Schuhwahl für …

Einsatzzweck, Terrain Klasse
Einfache Bergwege B
Mittelschwere Bergwege, Touren > 2000 m (Hochgebirge) & Klettersteige B/C
Schwere & alpine Bergwege, Hochgebirge, Klettersteige, leichte bis mittlere Hochtouren, leichte Gletschertouren C
Hochtouren, Eiswände, Eisklettern, Expedition D

Überblick geeignete Schuhwahl zum Bergwandern

  • mind. Klasse B
  • hoher Schaft, der den Knöchel überragt
  • allgemein guter Halt des Fußes im Schuh
  • ausreichend tiefes Profil

Was die „richtigen“ Bergschuhe für dich sind hängt stark von deinen derzeitigen & zukünftigen Touren ab. Bergschuhe der Klasse C haben meistens eine Kletterzone ohne Profil an der Spitze.

Kleinere Kletterstellen kannst du so im Nu meistern. Bergschuhe aus Ledern sind in der Regel schwerer, als solche aus Kunststoffen. Bergschuhe für ambitionierte Bergwanderer, wie der Hanwag Bodile Combi wiegen nur knapp mehr als 1000 g und haben ein enorm großes Einsatzspektrum. 

Wie viel kostet ein geeigneter Bergschuh?

Bergschuhe der Klasse B aufwärts sind ab ca. 150,- bis 200,- € zu haben. Der Durchschnittspreis liegt zwischen 200,- und 250,- €. Bergschuhe von Hanwag* und anderen Herstellern kannst du auch online bei unserem Partner bergfreunde.de bestellen.

Weitere Informationen: